Kurzer Test des Nokia N900

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit ein paar Stunden mit dem neuen Nokia N900  zu spielen. Da mich chrschn  so nett darum gebeten hat möchte ich hier kurz meine Erfahrungen schildern.

Ich muss zugeben, dass ich auf das Erscheinen des N900 lange gewartet habe, da ich seit längerem mit dem Gedanken spiele, mir ein Smartphone zuzulegen. Bisher hatte ich schon das iPhone und das Palm Pre in den Händen. Daher war ich ziemlich gespannt, wie mir das N900 im Vergleich zu den anderen beiden gefällt.

Auf den ersten Eindruck macht das N900 nicht besonders viel her. Optisch ist es schlicht gehalten, was man aber auch nicht negativ bewerten muss. Die Stärken liegen klar im Inneren (eine Auflistung der einzelnen Merkmale schenke ich mir an dieser Stelle mal). Also los geht's: Ich nahm das Handy in die Hand und dachte: "Ui, das ist ein ganz schöner Brocken!". Gewichtsmäßig ist das N900 mit seinen über 180g schon keine Leichtigkeit. Bei meinem Tests empfand ich das Gewicht aber nicht wirklich als störend. Es ist gut ausbalanciert und liegt damit sehr gut in der Hand. Nur wenn das Ladegerät eingesteckt ist, lässt es sich nur äußerst unbequem halten. Ein Test in der Hosentasche empfand ich auch nicht als sonderlich unangenehm vom Gewicht her.

Eingeschaltet erstrahlte sofort die Benutzeroberfläche von Maemo 5 . Die Oberfläche gefällt mir persönlich sehr gut. Unwichtige Bildbereiche bspw. beim Einblenden von Menüs werden unscharf dargestellt, so dass das Display immer aufgeräumt erscheint. Auch die Bedienung im Panorama-Modus (am Portrait-Modus wird immer noch gearbeitet) empfand ich als angenehm. An die Benutzung der Tastatur gewöhnt man sich relativ schnell. Die Tasten sind leicht zu drücken und gut zu erfühlen. Nach einer Weile gewöhnt man sich auch an die Lage der häufig benutzten Sonderzeichen. Lediglich die Doppelbelegung der Pfeiltasten stellte sich als etwas umständlich heraus.

Als klarer Makel erweist sich jedoch der Touchscreen. Er und ich wurden am gestrigen Abend keine Freunde! Besonders beim Drücken des Feldes zum Wechseln zwischen Anwendungen bzw. zum Öffnen des Programm-Menüs brauchte ich im Schnitt immer 2 Anläufe bis mein Druck mit dem Finger aufs Display registriert wurde. Auch beim Scrollen durch Listen hatte ich so meine Problemchen. So passierte es häufig, dass beim langsamen Scrollen plötzlich der Eintrag unter meinem Finger ausgewählt wurde. Das Problem wurde noch dadurch intensiviert, dass das Scrollen durch Listen bei mir häufig geruckelt hat.

Ganz im Gegensatz zum Browser, bei dem das Scrollen tadellos funktionierte. Der Browser ist überhaupt beeindruckend. Man fühlt sich wie an einem normalen PC. Die Seiten laden schnell und das Anklicken von Links funktioniert in der Regel sehr gut (hier ist der Touchscreen außerordentlich präzise). Lediglich eine Seite konnte er bei mir nicht laden. Aber allein die Tatsache, dass es AdBlockPlus  als Plugin gibt, macht das Surfen im Internet wirklich angenehm.

Das Betriebssystem an sich finde ich auch ziemlich gelungen. Es basiert auf Linux, was mir als Linuxfan natürlich sehr gefällt, und läuft erstaunlich stabil. Ein paar kurze Hänger konnte ich allerdings doch verzeichnen, aber das System war nach wenigen Sekunden dann doch immer wieder einsatzbereit. Die Oberfläche und die animierten Wechsel zwischen Programmen und Desktops laufen ebenfalls flüssig, abgesehen von dem schon angesprochenen Scrollen in Listen.

Ein etwas besseres Zusammenspiel zwischen der Touchscreen-Tastatur und der Hardware-Tastatur hätte ich mir allerdings gewünscht. Bei mir passierte es des öfteren, dass trotz ausgezogener Tastatur plötzlich doch die Display-Tastatur aktiviert wurde. Eine weitere Kleinigkeit war, dass bei einigen Text- oder Passwortfeldern der erste Buchstabe automatisch zum Großbuchstaben gemacht wurde. Das ist bei Passwörtern, die mit Kleinbuchstaben beginnen dann doch etwas ungeschickt.

Insgesamt macht die mitgelieferte Software einen guten Eindruck. Sehr gut gefallen hat mir die Kontaktverwaltung und die Integration der verschiedenen Messenger- und VoIP-Kontakte in ein einheitliches Adressbuch. Zum Teil fehlt es der Software aber noch an Features. So erwarte ich von einem eMail-Programm doch, dass ich nach bestimmten Mails suchen kann (vielleicht habe ich es aber auch einfach nicht gefunden). Beim Kalender würde ich mir die Integration von online Kalendern bspw. über CalDAV wünschen.

Fazit: Abschließend komme ich für mich zu dem Urteil, dass ich mir das N900 nicht kaufen werde. Insgesamt habe ich zwar einen sehr positiven Eindruck von dem Gerät, damit ich aber ca. 500€ für ein Handy ausgebe, muss schon alles stimmen. Das N900 hat gegenüber dem iPhone und dem Palm Pre einige Vorteile, aber bspw. den Touchscreen auch als erheblichen Nachteil. Auch das iPhone und das Palm Pre konnten mich bislang nicht überzeugen.

Mein Wunschsmartphone hätte etwa Größe und Gewicht des Palm Pre, eine Entwicklergemeinde wie das iPhone, die Leistungsfähigkeit wie das N900 und das dann noch zu einem vernünftigen Preis. Da mein derzeitiger Mobilfunkvertrag aber ohnehin noch über ein halbes Jahr läuft, gebe ich die Hoffnung nicht auf und warte ab, was im Smartphone-Sektor in den nächsten Monaten noch kommt.

0 Kommentare

doc, 21.01.2010 11:14 Uhr

Kommentar 
Code   884 <- Bitte diesen Code eingeben!
Autor